Eine Freifläche in der Größe von etwa 400 Fußballfeldern, und das in zentraler Lage – aber Wohnungen dürfen dort nicht gebaut werden: Die Debatte um die bauliche Nutzung des Tempelhofer Felds in Berlin (der frühere Flughafen Tempelhof, der seit 2010 als innerstädtische Freifläche genutzt wird) ist eine Besonderheit des Berliner Wahlkampfs. Bei einem Volksentscheid im Jahr 2014 hatten die Berliner sich deutlich gegen eine Bebauung und für den vollständigen Erhalt des Felds ausgesprochen. Doch angesichts hoher Mieten und bis zu 50.000 fehlender Wohnungen in Berlin wird zumindest über eine Randbebauung des Felds immer wieder nachgedacht. In die Debatte, die auch beim aktuellen Wahlkampf (am 20. September wird das neue Abgeordnetenhaus gewählt) Thema ist, mischt sich nun auch die Schauspielerin Jella Haase ein. Die 33‑Jährige – eine gebürtige Berlinerin – veröffentlichte auf ihrer Instagram-Seite ein Plädoyer (verlinkt auf https://www.instagram.com/jellahaase/reel/DdCDR7nwVQD/) („Rettet das Tempelhofer Feld!“) für den kompletten Erhalt der Freifläche: „Wer das Feld kennt, weiß, wie absolut einzigartig das Gefühl ist, dort zu stehen und in einer überfüllten Stadt Luft zum Atmen zu haben! Hier können wirklich alle Menschen friedlich zusammenkommen und sich gemeinsam in der Natur vom Alltag erholen.“ Das „Recht auf saubere Luft in dreckigen Städten“ sei ein „Grundrecht“, so die Schauspielerin, die durch den Film „Fack ju Göthe“ bekannt wurde. Es breche ihr das Herz, so Haase weiter, „dass ein frei zugänglicher, demokratisch organisierter Ort in Berlin, der allen gehört, bald zum Hinterhof einiger weniger gemacht werden soll“. Die 33-Jährige ließ dabei das Argument von dringend benötigtem Wohnraum nicht gelten. Stattdessen behauptet sie: „Hier wird es keine günstigen Mieten geben können, der Vorschlag ist, ein Milliardenprojekt hier zu errichten, das überteuerte Eigentumswohnungen und Spekulationsobjekte zum Ergebnis haben wird.“ Dass ausgerechnet die Bebauung dieser Fläche die Berliner Wohnungsnot lösen könne, wie die Landesregierung sage, sei „einfach so eine dreiste Lüge“, kritisierte Haase. Das Berliner Wohn- und Mietenproblem werde so ihrer Meinung nach nicht gelöst. Zudem gebe es laut dem Berliner Senat wahrlich „genug Platz“ in Berlin, „um zu bauen“. Dann schlug die 33-Jährige noch weitere politische Maßnahmen vor: „Wenn wir mehr Gebäude umnutzen und Mietabzocke stärker regulieren (Mietendeckel, den übrigens die CDU gekippt hat), können wir Berlin viel schneller wieder bezahlbar machen“. Dazu stellte Jella Haase ein offenbar in Teamarbeit produziertes Video, das sie und andere auf dem Tempelhofer Feld beim Entspannen oder auch Fahrradfahren zeigt. Nach knapp einer Woche hat der Clip bei Instagram bereits 68.000 Herzchen gesammelt. Dazu gibt es viel positive Rückmeldung in den Kommentaren, aber durchaus auch Gegenwind: „Ich checks nicht, braucht Berlin jetzt Wohnraum oder nicht?“, fragt ein User, ein anderer kommentiert: „Ist das absurd... niemand will das ganze Feld bebauen.“ Linke und CDU kämpfen noch um Platz 1 bei der Wählergunst Und das sind die Positionen der Berliner Parteien zu dem Thema: Die CDU befürwortet eine Randbebauung des Tempelhofer Felds und setzt auf mehrere tausend neue Wohnungen sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die SPD unterstützt grundsätzlich eine Teilbebauung des Feldrandes für Wohnungsbau, besteht dabei aber auf einem hohen Anteil geförderter und landeseigener Wohnungen. Die Grünen lehnen jede Bebauung ab und wollen das Areal in seiner heutigen Form vollständig erhalten. ++ Alle Entwicklungen zur Wahl in Berlin im Liveticker (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6aa26cbc240b302c8a83fc5a/sachsen-anhalt-wahl-2026-nach-afd-sieg-news-liveticker.html) ++ Die Linke will ebenfalls keine Bebauung des Felds und fordert kommunalen Wohnungsbau an anderer Stelle. Die AfD will grundsätzlich mehr Wohnungsbau in Berlin. Für eine Bebauung des beim Tempelhofer Felds ist die Partei ebenfalls offen. Laut aktuellen Umfragen liefern sich Linke und CDU ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Wahlsieg. Umfragen sehen die CDU zwischen 20 und 21 Prozent und die Linke zwischen 20 und 23 Prozent. Die AfD könnte mit bis zu 18 Prozent auf Platz 3 landen – vor den Grünen mit 16 Prozent auf Platz vier. Die SPD kommt auf zehn bis zwölf Prozent, für das BSW könnte es knapp werden, die FDP dürfte an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.